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Partygespräche für Autor*innen

Partygespräche und Schreiben haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Dennoch können Partygespräche uns einiges über das Schreiben von Geschichten erzählen. Was, verrät dieser Beitrag.

Du kennst die Situation. Gerade frisch auf einer Party angekommen hast du dich in Ermangelung bekannter Gesichter erst einmal in der Küche positioniert. Schon nach wenigen Augenblicken spricht dich ein anderer Gast an und verwickelt dich in ein Gespräch.

Genauer: Er erzählt dir seine Lebensgeschichte. Mit allen möglichen Details, die du gar nicht wissen willst. Endlos – so scheint es dir zumindest. Du versuchst zu entkommen, aber es bietet sich keine Fluchtmöglichkeit.

Eine typische Partysituation? Ja, aber auch in Romanen begegnet uns diese Art Mensch. Sie tritt auf in Gestalt einer Figur, die gleich bei ihrem ersten Erscheinen mit einer langwierigen (und langweiligen) Biographie ausgestattet wird, deren Details du bereits nach wenigen Sätzen vergessen hast. Dabei hast du dich mühsam durch einige Seiten gequält, um sie hinter dich zu bringen.

Manche Romane neigen dazu, zu viel von ihren Figuren preiszugeben. Die Leserschaft soll ja wissen, mit wem sie es zu tun hat. Nur: Muss sie das? Will sie das überhaupt?
In Textbesprechungen werbe ich immer sehr dafür, diese Passagen zu kürzen oder gänzlich zu streichen.

Denn meist genügt es, wenn Lesende wissen, in welcher Situation die Figur steckt und warum ihr das wichtig ist. Und manchmal sogar nur, dass es ihr wichtig ist.

Wir kennen das von Partys. Die Frau, die verzweifelt nach dem Flaschenöffner für ihr Bier sucht, weil sie gerade fünf Stunden im Stau gestanden hat und völlig entnervt ist, reißt uns viel mehr mit als der Typ, vor dessen Lebensgeschichte wir gerade aus der Küche geflohen sind.

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