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Remember Me – Storytelling im Marketing des Rijksmuseums

Kultureinrichtungen wie z.B. Museen sind nicht selten knapp bei Kasse. Dafür bietet ihre Arbeit einen überreichen Fundus an Geschichten. Ideale Bedingungen um im Marketing auf Storytelling zu setzen. Das Amsterdamer Rijksmuseum, eines der erfolgreichsten Museen in Europa, versteht sich ganz hervorragend darauf, Storytelling zu nutzen wie in der Ankündigung seiner Ausstellung „Remember Me“.

„Interessieren Sie sich für Porträtmalerei der Renaissance?“

Würden Sie auf die Straße gehen und Menschen fragen, ob sie sich für Porträtmalerei der Renaissance interessieren, würden die meisten bloß mit dem Kopf schütteln. Ein Publikum, das sich nicht speziell für Malerei interessiert, ist mit diesem Thema kaum zu gewinnen.

Das Rijksmuseum setzt deswegen auch bei dieser Ausstellung auf Storytelling, um ein größeres Publikum zu erreichen. Wie sehr sie verstanden haben, worum es im Storytelling geht, zeigen die Texte und der Aufbau der Ausstellungshomepage.

Denn die Marketingexperten des Museums beginnen nicht mit einer Geschichte. Sie beginnen mit den Menschen, die sich zu Zeiten der Renaissance haben malen lassen, mit ihren Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten. Mit dem, was jede Story (und jedes Leben) antreibt. Nebenbei schlagen sie den Bogen in unsere heutige Zeit, aus der das Selfie nicht mehr wegzudenken ist.

Beide Bilder: Screenshots Rijksmuseum.nl 2021

Die Stories, die exemplarisch erzählt werden, illustrieren diese Wünsche. Das Wording („powerful emperors“, „flamboyant aristocats“, „the artists fo the day“ und natürlich „ambition, longing, lost“) ist dynamisch wie ein mitreißender Plot. Zentrales Element bleibt jedoch der emotionale Kern, die Motive von „ambition, longing and lost“, die sich in den Bildern verbergen. Motive, die uns auch heute nur allzu vertraut sind – und für deren Erfüllung wir jede Information begierig aufsaugen – gerne auch in einer Ausstellung über Porträtmalerei der Renaissance.

„Interessieren Sie sich für Ehrgeiz, Verlangen und Verlust?“

Würden sie auf die Straße gehen und die Menschen fragen, „Interessieren Sie sich für Ehrgeiz, Verlangen und Verlust?“, lautete die Antwort „Natürlich!“

Das Rijksmuseum hat also gute Chancen, auch mit dieser auf den ersten Blick wenig publikumswirksamen Ausstellung ein größeres Publikum zu erreichen. Überhaupt gehört das Amsterdamer Museum mit 2,7 Millionen Besuchern im Jahr zu den bestbesuchten in Europa. Das erfolgreichste deutsche Museum, die Nationalgalerie in Berlin, schafft nicht einmal ein Drittel davon, verteilt auf vier Standorte. Storytelling ist sicherlich nicht das einzige Erfolgrezept des Rijksmuseums. Aber es dürfte ihm auch nicht schaden.

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