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Annalena Baerbocks Storytelling

Kaum eine deutsche Politikerin nutzt Storyelling in ihrer Kommunikation so gekonnt wie Außenministerin Annalena Baerbock. Das passt zu einer Ministerin, die neben der persönlichen Erfahrung eine Orientierung an Werten zu den Grundlagen ihrer Politik macht. Wie Baerbock Storytelling einsetzt, zeigt ein Beispiel aus dem Instagram-Account der Ministerin.

Dabei mag es den ein oder anderen erstaunen, dass Baerbock ein so sensibles Thema wie die Kriegsverbrechen in der Kiewer Vorstadt Butscha in eine Geschichte packt. Ist Storytelling nicht dieses nette, harmlose Vehikel für Werbung und Unterhaltung? Baerbock verneint und sie tut gut daran.
Damit Sie die späteren Gedanken nachvollziehen können, zitiere ich den Beitrag im Folgenden komplett. Die eingesetzten Storytelling-Werkzeuge hebe ich fett hervor.

Butscha ist zum Symbol geworden. Für unvorstellbare Verbrechen, für Folter, Mord, Vergewaltigung. Die Unvorstellbarkeit lässt diesen Ort sehr weit weg erscheinen.

Und dann steht man plötzlich hier bei strahlendem Sonnenschein und begreift: Butscha war – nein ist – eine ganz normale, friedliche Vorstadt. Mit Spielplätzen, einem Skatepark, Restaurants und Supermärkten.

Ich stehe hier in dieser Normalität und denke: das hätte ich, das hätten meine Kinder, meine Familie sein können. Das hätten meine Freunde, meine Nachbar*innen sein können.

Wie weiterleben nach solch einem Grauen? Wir können den Überlebenden den Schmerz nicht nehmen, aber wir können alles dafür tun, für Gerechtigkeit zu sorgen. Niemand darf glauben, Verbrechen ohne Konsequenzen begehen zu können. Das sind wir den Opfern schuldig.

Wir werden als internationale Gemeinschaft dabei helfen, Beweise zu sammeln. Ich habe der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa die volle Unterstützung Deutschlands bei der Strafverfolgung der Kriegsverbrechen zugesichert: politisch, finanziell und personell.

instagram.com/abaerbock

Baerbocks Storytelling

Bereits der Anfang bedient sich eines bewährten Mittels im Storytelling: Gegensätze. Zwischen der Brutalität der Verbrechen, die in Butscha geschehen sind und dem „strahlendem Sonnenschein“ beim Besuch der Ministerin. Und zwischen der Fremdheit der Verbrechen und der Vertrautheit des Ortes.

Damit ist die Außenministerin bei ihrem Thema, ihrer eigentlichen Geschichte angekommen: Butscha ist näher, als wir denken, eine Vorstadt mit Spielplätzen und Supermärkten, wie sie jede europäische Stadt kennt.

Nun bringt Baerbock etwas ins Spiel, was fast schon ein Markenzeichen ihrer politischen Komunikation geworden ist – und was Storytelling oft gut zu Gesicht steht: Sie erzählt von der persönlichen Erfahrung, einem Erlebnis, das – stellvertretend für das Publikum – zu einer Erkenntnis geführt hat: Das hätte ich, das hätten meine Kinder sein können.

Diese Erkenntnis ruft aber weitere Fragen hervor (ein typischer Story-Moment), Probleme und schließlich politische Entscheidungen und Ankündigungen. Der Storybogen ist geschlossen.

Geschichten vermitteln Werte

Aber da ist noch etwas, weswegen sich Storytelling für eine Politikerin wie Annalena Baerbock hervorragend eignet. Die Außenministerin orientiert sich in ihren Politik sehr stark an Werten. Geschichten, ob sie wollen oder nicht, vermitteln Werte.

In Baerbocks Geschichte aus Butscha kommt ein Wert zum Tragen, der die Menschheit bereits seit Beginn seiner Existenz überleben lässt: Gemeinschaftliches Handeln stellt sich gegen das rücksichtslose Durchsetzen egoistischer Interessen.
Für ihre Politik hätte die Außenministerin kein besseres Werkzeug wählen können als Storytelling.

(Die Bilder zeigen neben der deutschen Außenministerin die ukrainische Hauptstadt Kiew vor dem Krieg. Fotografen: Zephyrka, Pixabay, nextvoyage, Pixabay)

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