Können wir Soziale Medien nutzen, um fiktionale Stories zu erzählen? Und wenn ja wie? Dieser Frage bin ich mit Studierenden der HHU Düsseldorf in mehreren Workshops nachgegangen. Was wir gelernt haben, erfährst du in diesem und vier weiteren Beiträgen.
Geschichten leben von Spannungsbögen und den drängenden Fragen, auf die wir uns im Verlauf der Handlung eine Antwort erhoffen. Nur: In den sozialen Medien funktioniert das nicht. Spannungsbögen bauen auf vorher festgelegten Handlungssträngen auf. Selbst Games folgen in ihren Challenges und Levels dieser Stringenz. Doch soziale Medien rezipieren wir anders. Ein zentrales und viel kritisiertes Element fast aller Social Media Apps macht uns einen fetten Strich durch die Rechnung.
Der Storyline-Killer
Ein Algorithmus, dessen Logik die Plattformbetreiber als Betriebsgeheimnis hüten, bestimmt, was wir zu sehen bekommen und wann wir es sehen können. Als Kreative haben wir auf den Verlauf unserer Story also keinen Einfluss. Es sei denn, wir bringen unsere Follower dazu, unserer Story allein auf unserem Account zu folgen. Das allerdings – bleiben wir realistisch – wird nicht passieren. Und wenn wir über mehrere Accounts erzählen, würde das auch nicht helfen. Lange Bögen über mehrere Beiträge sind zunächst einmal kaum zu erzählen. Ist das nicht das Todesurteil für jede Geschichte?
Dem Killer entkommen
Die Antwort lautet: Nein. Aber der Algorithmus verändert die Dramaturgie von Geschichten grundsätzlich. Plot-driven zu erzählen – die Figur einem festen Handlungsstrang folgen zu lassen – ist nahezu unmöglich. Heldenreisen, 3- oder 7-Akt-Strukturen verpuffen oft wirkungslos. Nicht der Plot treibt das Geschehen voran.
Die Lösung für dieses Problem liegt interessanterweise auf der Hand und sie gehört zur DNA sozialer Medien. Im Mittelpunkt steht nicht der Plot. Im Mittelpunkt muss die Figur stehen. Geschichten erzählen sich auf Social Media am besten, wenn sie eine fiktive Figur begleiten statt einem strikten dramatischen Verlauf zu folgen.


Interessanterweise wählten nur wenige der Studierenden diesen Weg. Lediglich die beiden Begleitformate „Bibi Blocksberg“ und „Die drei !!!“ lösten sich von der klassischen Erzähldramaturgie. In keinem dieser Accounts entstanden Lücken, weil man Beiträge verpasst hat – oder landete ungewollt auf einem Spoiler-Beitrag. Ein Problem, womit andere Projekte zu kämpfen hatten. Allein ein über YouTube erzählte Gaming-Projekt, das sich die Auswahlmöglichkeit zunutze machte, mit der man am Ende eines gesehenen Videos das folgende auswählen kann, entging diesem Problem.
Die Figur ist das Wichtigste in einer auf Social Media erzählten Geschichte. Schauen wir in in Beitrag 4 „Character is King“ einmal genauer hin!
